Sucht im Alter

Sucht im Alter! Ein Thema?
Auch wenn Sucht und Suchtgefährdung im Alter Themen sind, die häufig verschwiegen werden, haben sie noch gravierendere Folgen als bei jüngeren Menschen.- Suchtmittel belasten den Organismus und mindern die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Die Widerstandsfähigkeit ist im zunehmenden Alter eingeschränkt. Daher kommt es vermehrt zu
- Stürzen, die nicht weiter erklärbar sind
- Nervenentzündungen an Armen und Beinen
- Vernachlässigung des Äußeren bis hin zur Verwahrlosung.
Alkohol in Kombination mit Medikamentenkonsum führt zu weiteren Schädigungen der Gesundheit.
In Kombination mit psychisch wirksamen Medikamenten wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln kann es zu einer Vervielfachung der Wirkung und des Suchtpotentials kommen.
Wann ist man abhängig? Wer Sorgen hat, hat auch Likör!
Beim Alkoholkonsum sind die Grenzen zwischen Genuss und Gefahr auch bei älteren Menschen fließend. Niemandem wachsen blaue Haare, wenn die Abhängigkeit beginnt. Um auf der sicheren Seite zu sein, sind ein riskanter Konsum von Alkohol und risikoreiche Kombinationen mit Medikamentenkonsum zu vermeiden.Wir bemerken eine Abhängigkeit erst, wenn der Suchtstoff fehlt oder wir durch die Folgen brutal darauf aufmerksam gemacht werden. Daher ist es wichtig, auch bei risikoarmem Alkoholkonsum Trinkpausen einzulegen, um die psychische Befindlichkeit ohne Alkohol wahrzunehmen.
Suchtfördernde Faktoren im Alter können sein:
- Beendigung des Berufslebens – Statusverlust
- Abbröckeln der sozialen Beziehungen
- Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden
- Häufung von Krankheiten, Zunahme von körperlichen Beschwerden
- Verlust vom Partner / von der Partnerin
- Fehlende Zuwendung wird als Stress erlebt
- Nachlassende körperliche und intellektuelle Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
- Sinnverlust
- Gedankliche Beschäftigung mit dem Tod
Im Seniorenbereich gibt es viele offene Hilfs- und Beratungsangebote oder melden Sie sich im Suchthilfezentrum.
Was können Angehörige oder Menschen im sozialen Umfeld tun?
Zunächst sollten die Menschen im Umfeld einiges nicht tun: Gutgemeint hilft oft nicht. So hilft betroffenen Abhängigkeitserkrankten nicht das Verschweigen oder die Bagatellisierung des Problems. Auch eine Kontrolle des Alkoholkonsums führt in der Regel zum Versteckspiel und zum heimlichen Trinken. Vorwürfe und Anklagen macht sich häufig der Betroffene selbst. Sie führen nur zu weiterem Widerstand.Lösungsmöglichkeiten:
Falls Sie Angehörige, Pflegekraft oder sonstige wichtige Bezugsperson sind, ist die wichtigste Grundlage für eine Lösung des Problems:
Schauen Sie nicht weg, auch wenn das Hinsehen zuweilen schmerzhaft ist. Durch das Hinsehen erfahren Sie Auffälligkeiten, in denen sich der Betroffene im Gespräch wiederfinden kann. Das Gespräch sollte auf Grundlage von Anteilnahme erfolgen. Falls dann eine, wenn auch nur geringe, Einsicht geschieht, kann ein Hilfsangebot erfolgen. Schließlich sollten Sie sich realistische Konsequenzen überlegen, falls keine Einsicht oder Änderung erfolgt. Diese sind dann auch glaubwürdig in dem Gespräch zu nennen.
Falls Sie sich unsicher fühlen, suchen Sie Hilfe. Wir bieten Beratung auch für Angehörige und Berufsgruppen, die mit älteren Menschen mit Suchtproblemen zu tun haben.
- Wahrnehmung: Auffälligkeiten, körperliche Symptome, soziale Folgen
- Ansprechen
- Fakten: Warum machen Sie sich Sorgen?
- Hilfsangebote: Beratungsstelle, Selbsthilfegruppe, Fachklinik
- Konsequenzen: z.B. kein Besuch der Enkel, Führerscheinabgabe, Info Hausarzt etc.
Ziel der Bemühungen ist nicht, ältere Menschen einzuschränken oder ihnen Lebensfreude zu nehmen.
In der Reihenfolge der Ziele geht es um:
- Verlängerung des Lebens
- Reduzierung des riskanten Konsums und der Exzesse
- Verlängerung der suchtstofffreien Perioden
- Verbesserung der Lebensgestaltung und Lebensbewältigung
- Dauerhafte Abstinenz bei Abhängigkeitserkrankung
Behandlung:
Wer mit dem Suchtmittelkonsum im Alter aufhören möchte, verdient dabei eine professionelle Unterstützung. Diese Motivation kann viele Hintergründe haben: Eigene Würde wiedererlangen, Respekt, aber auch Leidensdruck, wie gesundheitliche Folgeprobleme, unangenehme Konsequenzen durch Angehörige usw.
Jede Motivation ist ernst zu nehmen. Um sich über die eigene Suchtproblematik klar zu werden, empfehlen wir vor, während und nach der Behandlung den Besuch einer Selbsthilfegruppe für Senioren.
Wie sieht eine Behandlung aus?
Falls eine Abstinenz selbst nach einer Entzugsbehandlung (1 bis max. 3 Wochen) nicht möglich ist, erscheint eine stationäre Entwöhnungsbehandlung notwendig. Hier vermitteln wir in geeignete Kliniken für Senioren.Falls die Abstinenz möglich wird, bietet eine ambulante Rehabilitationsbehandlung eine Alternative vor Ort. Sie wird im Suchthilfezentrum durchgeführt und besteht aus wöchentlichen Einzel- und Gruppengesprächen für Senioren. Die Gesamtdauer ist etwa 6 –9 Monate.
Die Themen orientieren sich an dem jeweiligen Bedarf.
Bei älteren Menschen kommen folgende Themen häufig vor:
- Lebensbilanzierung, Würdigung der Leistungen der Person
- Perspektiven für den weiteren Lebensweg: Wohnsituation, Kontakt
- Unterstützung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit
- Auseinandersetzung mit den Grundbedürfnissen
- Planung einer sinnvollen Freizeitgestaltung
- Auseinandersetzung mit Krankheiten, Älterwerden und Tod.
Ansprechpartner:

Hans-Wilhelm Nielsen
Dipl. Sozialpädagoge / Sozialtherapeut,
verheiratet, zwei erwachsene Kinder.
Erfahrungen in der ambulanten Pflege durch die langjährige Betreuung der pflegebedürftigen Eltern.
Weitere Adressen:
Selbsthilfegruppe Blaues Kreuz „Fünfzig Plus“Treffen:
Montags von 16 - 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus,
Lollfuß 48
Ansprechpartner:
Manfred Ritter
Telefon: 04621 / 998514
Burkhard Gather
Telefon: 04621/ 549048
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© 2009 Suchthilfezentrum Schleswig
www.suchthilfezentrum-sl.de
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