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Der neue Glücksspiel-Staatsvertrag - Wolfgang Grote im Interview

Glücksspiel legalisieren? Spielbetrag deckeln? Werbung für Glücksspiel erlauben?
Das sind nur einige Aspekte des neuen Glücksspiel-Staatsvertrags. Wir fragen Wolfgang Grote, Leiter des DIAKO Suchthilfezentrum Schleswig, zu den neuen Regelungen des Glücksspiel-Staatsvertrages:

Ist es gut, das Online-Glücksspiel zu legalisieren?

Wolfgang Grote: Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass Online-Glücksspiel - die häufigsten sind Poker, Black Jack und alle Arten von Wetten wie etwa Sportwetten - ein globales Geschehen im Internet ist. Es macht vor Ländergrenzen keinen Halt. Schafft man kein legales Angebot fördert man massiv das unkontrollierbare illegale Angebot. Daher halten wir den schleswig-holsteinischen Weg grundsätzlich für richtig.

In SH können bereits jetzt Anbieter von Online-Glücksspielen eine Lizenz erhalten, das Angebot wird damit legal. Zukünftig können nur Anbieter eine Lizenz erhalten, die bestimmte Auflagen erfüllen: wie Einhaltung der Altersbeschränkung oder Datenabgleich mit einer Sperrdatei oder Deckelung des Spieleinsatzes. Die Kontrollen und Anforderungen sollen verschärft werden, das halten wir für eine wichtige Neuerung.

Was halten Sie davon, den Spielbetrag zu deckeln mit 1000,- Euro?

Wolfgang Grote: Eine anbieterübergreifende Deckelung ist sehr sinnvoll. Jedoch halten wir den Betrag von 1000,- Euro pro Monat. für zu hoch. Der junge Familienvater aus der unteren Mittelschicht hat sicher nicht einmal guten Gewissens 500,- im Monat für sein „Hobby“ zur Verfügung. Außerdem ist eine Onlinedeckelung ja bis dato unabhängig von klassischen Spielhallen, die bei einer Limiterreichung ja weiter besucht werden könnten.

Auch die Werbung soll nur noch kontrolliert geschaltet werden dürfen?

Wolfgang Grote: Gezielte Werbung für Glücksspiel insbesondere mit gesellschaftlich akzeptierten Sympathieträgern ist ein großes Problem. Wir plädieren hier insbesondere aufgrund der enormen Suchtgefahr des Onlineglücksspiels für ein weitgehendes Werbeverbot. Die aktuellen Überlegungen eines Werbeverbots über Tag von 6 – 21 Uhr greift unseres Erachtens zu kurz.

Was fehlt?

Wolfgang Grote: Für ein automatisches System der Früherkennung bräuchte es eine Art kommunizierende „Playcard“ nach norwegischem Vorbild, die dort Grundvoraussetzung für Online- und Offline-Glücksspiel ist. Gekoppelt mit risikoarmen Spielzeiten und Geldbeträgen kann frühzeitig über etwa eingeblendete Fragen zum Spielen ein kritisches Nachdenken initiiert werden – recht einfach umzusetzen. Verständliche und durchdachte Warnhinweise während des Spiels (Suchtgefahr, Überschuldung, Problembeschleuniger) sind ebenso wichtig wie international abgestimmtes Vorgehen gegen illegale Anbieter. Gleichzeitig sollte jede Anbieterseite auch gut sichtbare Links zu Präventions- und Therapieangeboten und Selbsttests anzeigen, rund um das Thema „Bin ich spielsüchtig?“, „Wann beginnt Spielsucht?“ oder Ähnliches.

Weiterhin sollte klar geregelt werden, wie die enormen Steuereinnahmen, die hier generiert werden, zu verwenden sind. Mindestens die Hälfte sollte in die Präventionsarbeit fließen. Wir würden etwa die regelhafte Förderung von Präventionsangeboten zur Suchtthematik an allen Schulen in den entsprechenden Jahrgängen sehr begrüßen.


Hintergrundinfos zum neuen Glücksspiel-Staatsvertrag: siehe https://www.tagesschau.de/inland/online-gluecksspiele-101.html


Bildunterschrift: 1. Online-Spielen, das geht überall, ob zuhause, unterwegs oder im Cafe, der Zugang ist leicht und die Suchtgefahr groß (Foto: Adobe Stock)

2. Wolfgang Grote, Leiter des DIAKO Suchthilfezentrum Schleswig, Kontakt: wolfgang.grote@diako.de

04.02.2020

Das Diakonische Werk lädt ein zum Fachtag „Geistige Behinderung und Sucht“.

Am Dienstag, 4. Februar in Rendsburg. Das DIAKO Suchthilfezentrum Schleswig stellt auf dem Fachtag ihr „Ambulantes Behandlungskonzept für Menschen mit Intelligenzminderung“ vor (Rolf Hübenthal, DIAKO Suchthilfezentrum und Andreas Klinker, Schleswiger Werkstätten)

Weitere Informationen finden Sie hier: Fachtag Geistige Behinderung und Sucht.pdf